Sonntag, 27. Oktober 2013

La alemana loca! ...ein ganz normaler Arbeitstag


Ich überquere eine rote Ampel und ziehe mir meine Mütze vom Kopf weil es irgendwie viel zu warm ist für meine dicke Winterjacke, Schal, Mütze und Stiefel, die Sonne wärmt zur Abwechslung zum Dauerregen schon seit einigen Tagen die Stadt und kämpft mit dem kalten Wind, der vom Meer her weht. Ich bin auf dem Weg zum Büro und folge einem Strom von Menschen, durch hupende Autos hindurch und an lauter winzigen Ständen vorbei. Sobald die Sonne die regennassen Straßen trocknet bieten die Leute an jeder Ecke Essen, Trinken, Strickwahren und sonstige kleine Sachen zum Verkaufen an und die Luft ist erfüllt von den Rufen der Händler. Neben mir hält hupend ein Bus, der Fahrer winkt mir zu und hält den Daumen hoch... ich muss grinsen. Man gilt hier sobald man blond ist sofort als Heidi Klum, ich erinnere mich an einen Mann, der mich auf der Straße angesprochen hatte ob er nicht ein Foto mit mir machen könne. Etwas weniger Aufmerksamkeit wäre mir manchmal ganz lieb.
Aber was solls, ich kaufe mir gerade ein Gebäckstück mit Manjar, das hier so etwas wie das Nutella von Chile ist, nur tausend mal leckerer und schmeckt nach Karamell. 500 Pesos zahle ich dafür, man gewöhnt sich langsam daran dass hier alles ein paar Nullen mehr hat. Kauend schlängle ich mich durch die Leute, die alle viel langsamer unterwegs sind als ich (man hat hier schließlich Zeit, nur die deutsche hats mal wieder eilig :D) und stehe bald vor der weißen Mauer vor dem Büro von TECHO. Die Fenster stehen offen, sodass ich nach dem Klingeln das typische Geschrei vernehme ("Ich nicht!!", und wer zuletzt schreit muss zur Tür gehen und öffnen). Der Summer erklingt und ich öffne das Tor, laufe die Treppen hoch zum Haus und begrüße alle mit einem Küsschen auf die Backe.
Das Büro, unordentlich wie immer, ist voll mit Leuten, einige räumen gerade das Mittagessen weg (die obligatorischen Spaghetti ohne Soße) und unterhalten sich gutgelaunt zu Musik von Chico Trujillo.
Ich suche Thilo um mit unserem Projekt weiter zu machen, heute Nachmittag fahren wir in das Campamento "Futuro Esperanza" um mit den Kindern zu arbeiten. Dafür werden noch schnell Stoffreste zusammengesucht und in eine Kiste gepackt, dann eben noch in einen Supermercado um Süßes zu kaufen und gemeinsam laufen wir dann zum Terminal de Buses. Auch hier werben die Fahrer für ihre Strecke, ich frage mich nur immer welchen Zweck das haben soll, schließlich setzt sich keiner in einen Bus und fährt irgendwo hin ohne vorher ein bestimmtes Ziel gehabt zu haben. Aber dafür ist Bus fahren hier unglaublich billig, obwohl das Benzin in etwa so teuer ist wie in Deutschland der Diesel. 
Nach etwa 10 Minuten über holprige Straßen verändern sich die Häuser, wir kommen in ein Viertel in dem die gepflegten Vorgärten weichen, Hunde und Kinder auf dem Schotter der Straße spielen und um die Hütten aus Wellblech liegt überall Müll.
"Hoooolaaaa Tiiiaaa!" begrüßen die Kinder des Campamentos die Freiwilligen, willkommen im Alltag von Techo. 
Nach einem chaotischen Nachmittag und anstrengendem Fangen spielen fahren wir gemeinsam wieder zum Büro und ich mache mich auf den Heimweg. Die Sonne färbt den Ozean und die vorgelagerten Inseln schon rosa, morgen wird wohl wieder schönes Wetter werden. Ich stöpsel mir meine Hörer ins Ohr und laufe beschwingt zum Takt von "We are the people" an der Küste entlang nach Hause.