Samstag, 28. September 2013

Endlich Zeit für einen Post!

Ich vernachlässige meinen Blog aufs Schlimmste, ist mir gerade aufgefallen, da ich so unglaublich viel erlebt habe dass ich niemals alles aufschreiben kann. Mittlerweile gehe ich etwas anders durch die Straßen von Puerto Montt, kenne schon die Arbeiter auf den Straßen, die mich immer begeistert grüßen, passe mich der Devise "nicht bei rot stehen und bei grün gehen sondern höchstens stehen wenn man Gefahr läuft überfahren zu werden" an und finde meist auch die richtige Himmelsrichtung.
Mir gefällt es hier! ich komme zwar kaum zu einer ruhigen Minute in der ich mich mal um mich selbst kümmern könnte (geschweige denn Blog schreieben) aber dafür ist Langeweile mittlerweile auch aus meinem Wortschatz gestrichen! Wenn ich nicht gerade im Büro sitze und nichts zu tun habe, was öfter mal vor kommt, aber immer mit Facebook, Gesprächen, Raucherpause, Kaffeepause oder anderweitigen Aktivitäten beglichen wird (die Chilenen scheinen mir ausgesprochen rauchfreudig, denn man raucht hier nicht eine Zigarette sondern mindestens 5 hintereinander :D). Aber ich starte schon bald mein eigenes Projekt, gemeinsam mit Thilo, dem anderen deutschen bei Techo, und dann werden wir jede Menge zu tun haben. Unsere Idee ist es mit den Kindern der Campamentos, der Armenviertel, Handpuppen zu basteln und ein Theaterstück einzustudieren und dieses dann gemeinsam vorzuführen. Wir dachten, es sei sicher einfacher zum Kennenlernen mit den Kleinen zu beginnen... aber nach einem Besuch bei einer Familie mit 3 Kindern, die alle, verwundert über unsere seltsame Aussprache, begannen unser Spanisch zu korrigieren, wurde ich eines besseren belehrt. Wie bitte lernt man, beim Sprechen zwischen einem "r" und zwei "rr" zu unterscheiden? Für mich war das bisher alles das gleiche :D und es fällt mir schwer da einen hörbaren Unterschied hinzubekommen... aber naja, ansonsten läuft die chilenisierung auf Hochturen! :D

So, um euch nicht alles vorzuenthalten eine kurze Zusammenfassung von dem was ich erlebt habe:



Marcha de la Partida Socialista de Chile
1. Ich habe gemeinsam mit einigen Freiwilligen an einem "Marsch" der sozialistischen Partei Chiles teilgenommen. Da momentan Wahlkampf ist sind alle politisch sehr aktiv... und wollten an Salvador Allendes Zeit erinnern und an den Kampf um soziale Gerechtigkeit. Ein eindrucksvolles Schild am Straßenrand: "Traurige Anmerkung: Die Diktatur dauert noch immer an"... das hat mich schon zum Nachdenken bewegt.





Mit meinem Bruder beim Biken
2.Gemeinsam mit meinem Bruder und einem Cousin sind wir auf den Vulkan Osorno gefahren zum Ski fahren und Boarden. Leider hat es dermaßen gestürmt dass der Lift geschlossen war und wir uns mit einem Spaziergang zufrieden geben mussten... aber nichtsdestotrotz ein wunderschöner Ausflug!
Und später sind wir dann noch 20 km gebiked, mit dem Fahrrad am Meer entlang! Ob Joggen, Biken oder sonstige sportliche Aktivitäten, alles findet hier immer in der Nähe des Meeres statt :))
Aussicht vom Vulkan Osorno


Geburtstagsfeier mit der Familie und riesiger Tanzfläche
3.Mir wurde gesagt, wir gehen einen Geburtstag feiern. Aber wie die Chilenen Geburtstage feiern wusste ich bis dahin noch nicht :D Meine riesige Familie von ca 50 Verwandten deren Beziehungen zueinander zu verstehen sicherlich Jahrzehnte fordert, versammelte sich (ironischerweise in einem Gasthaus Namens "Club Alemán") um ein Festessen zu verspeisen, reichlich zu trinken und später bis tief in die Nacht ausgelassen zu tanzen. Um 3 Uhr nachts liefen noch die kleinen fünfjährigen um die Tische und auch bis 4 Uhr Nachts tanzten die Omas, Onkels, Tanten etc. usw. auf der überfüllten Tanzfläche. Verglichen dazu sind wir deutschen sind wirklich prüde!


4. FIESTAS PATRIAS! Choripan, Choripan, Teremoto, Choripan, Terremoto, Piscola, Choripan, Empanadas, Navegado, Empanadas, Choripan. Carrete. Und Cueca.
Schon die kleinsten tanzen Cueca!
So lassen sich die Feiertage hier eigentlich recht gut zusammenfassen :D Schon eine Woche vor dem 18. September, dem Nationalfeiertag zogen wir mit Techo durch die Campamentos um mit den Familien dort gemeinsam die Fiestas Patrias zu feiern. Dabei wird viel gegrillt und in Massen Choripan gegessen, das ist Brötchen mit Chorrizo und Pebre, also mit Wurst und kleingeschnittenen Tomaten und Zwiebeln. Sehr lecker aber ich habe definitiv zu viel davon gegessen :D und zu viel Essen gehört natürlich auch viel trinken, das chilenische Getränk "Terremoto" und "Navegado", also Glühwein. Und um wenigstens ein bisschen in Bewegung zu bleiben ereiferten sich die Freiwilligen und Bewohner der Campamentos beim Tauziehen, Sackhüpfen, Werfen und Tanzen, was die Stimmung natürlich um einiges steigen ließ.



So viel zum kulinarischen Teil, anderweitig haben wir noch Familie besucht und waren am 18. natürlich feiern. Zurück kamen wir dann mit einem Auto ohne Heckscheibe... die hatte wohl jemand mit einem Stein eingeschmissen sodass wie den folgenden Tag damit verbrachten, tausende von Glassplittern von den Rücksitzen zu sammeln... 
Ich beim Empanadas machen :)
Ansonsten liefen die Feiertage ziemlich ruhig ab, die Leute haben hier schöne Traditionen, wie zum Beispiel einen Drachen steigen zu lassen und überall in sämtlichen Vorgärten weht die chilenische Fahne. Eindrucksvoll!


Beim Grillen von Choripan


















Auto im Schlamm :D
5. Klettern in Llifen: Gemeinsam mit Freunden meines Bruders aus Santiago und eben diesem sind wir dann noch für drei Tage nach Llifen gefahren, das sich etwa 3 Stunden Autofahrt nördlich von Puerto Montt befindet. Uns empfing eine wunderschöne Landschaft, zwischen Kuhweiden und Felsen, richtig auf dem Land. Nur der Weg zu unserem Campingplatz gestaltete sich etwas schwierig, ohne Geländewagen hätte ich den eher nicht passiert, aber mein Bruder meinte das sei kein Problem. So kam es dann dass wir in einer riesigen Schlammpfütze stecken blieben und gefühlte 2 Stunden versuchten, Bretter unter die Autoreifen zu schieben um da wieder raus zu kommen. Hinterher war das ehemals silberglänzende Auto mit einer braunen Schlammschicht überzogen, dazu noch die fehlende Heckscheibe... das arme Auto! :D
Traumhafter Blick aus dem Zelt!


Aber wir haben es dann doch geschafft, wenn auch auf abenteuerliche Weise, schlugen die Zelte auf und ab gings zum Klettern. Mein Bruder ist absoluter Pro was das klettern an geht und ich frage mich, ob bei ihm die Schwerkraft nicht gilt, ich hatte jedenfalls meine Probleme die Felsen zu erklimmen... was man von ihm nicht gerade behaupten konnte :D 
Aber es hat unglaublich Spaß gemacht und ich bin jetzt auch absolut kletterbegeistert. Am Abend dann noch bei einem Lagerfeuer chilenischen Rotwein genießen- ein perfektes Wochenende! (Wenn man von meinem Muskelkater absieht!)


Kletterbegeistert :)
Mein Bruder der Profi :D


Gemütlicher Abend, Lagerfeuer und Rotwein!
Blick beim Klettern, ich hatte nur Angst um meine Kamera!





































So weit erst mal das Wichtigste, ich muss jetzt mal schlafen gehen und lasse bald wieder von mir hören :) Grüße aus dem frühlingshaften und erstaunlich sonnigen Chile! :)

Sonntag, 8. September 2013

Neue Familie, neues Leben! Cachái?


Mein neues Leben hat begonnen! In einem hübschen kleinen rosa Haus im Zentrum von Puerto Montt, keine 15 Minuten zu Fuß von meiner Arbeitsstelle bei Techo entfernt. Mein neues zu Hause: ein kleines Zimmer neben der Küche, Bett, Schrank, eigenes Bad, ein süßer kleiner Hund vor der Zimmertüre, der auf den Namen Sussi hört (oder auch nicht hört :D) - sehr einfach aber sehr authentisch, da fühlt man sich definitiv wohl!







Vor allem da meine Familie sehr nett ist, meine Mamachilena redet ununterbrochen mit mir, alles ist "chiquetiiiiiiitoooo" und sie liebt ihren "perriiiiiiitoooooo" über alles, wie sie ihre Sussi nennt. Also es ist wirklich alles niedlich und süß, zumindest für die Chilenen! :D 
Außer meinen "viejos", meinen Alten, wie sich meine Gasteltern selbst liebevoll nennen, habe ich noch einen Bruder und eine Schwester und die sind alle unglaublich nett, gastfreundlich und nehmen einen so auf wie man ist und freuen sich über jede neue Bekanntschaft. Mit meinem Gastvater habe ich seine Firma besichtigt und mit meinem neuen Bruder (Sehr cool, ich wollte schon immer einen chilenischen Bruder haben :P) war ich vorgestern Abend in einer Bar um das Fußballspiel Chile vs. Venezuela anzuschauen, die Chilenen sind nämlich genauso Fußballbegeistert wie die Deutschen! Bei einem 3:0 darf man das aber auch sein und ausgelassen mitschreien "chi chi chi, le le le, viva Chile!" 

Genauso sympathisch wie meine Familie sind auch die Leute von TECHO, meiner neuen Arbeitsstelle. Dort sitzen ein Haufen junger Menschen zusammen, die alle gerne feiern und einen sofort voll integrieren- am Freitag wurde so auch die Nacht zum Tag gemacht und chilenisch "carrete" gefeiert, mit leckerem Pisco Sour und viel Musik. Ein Vorurteil dass wir deutschen so den Lateinamerikanern gegenüber hegen wurde jedenfalls vollends erfüllt: Die können tanzen! Und wie, reggaeton und auch zu deutscher Musik, no importa, Hauptsache man tanzt! 



Und auch die Chefs von TECHO habe ich sofort ins Herz geschlossen, wir sind hier wie eine große Familie. Statt wie befürchtet die ersten Wochen erst einmal nur rum zu sitzen und zu warten bis man die Sprache besser kann und sich eingelebt hat sind wir gleich am ersten Tag schon in einem Campamento gewesen, einem der vielen Armenviertel, die sich rund um die Städte in Chile ansammeln. Das ist ein heftiges Bild was sich einem da bietet, teilweise leben die Menschen zusammen mit unzähligen Hunden auf Müllkippen, teilweise in kleinen Hütten die das nötigste enthalten und Schutz vor dem dauernden Regen bieten- mehr aber auch nicht. Eine krasse Realität, die ich noch nicht so ganz begreifen konnte.
Aber meine Aufgabe wird ja sein, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten um gemeinsam Lösungen für eine bessere soziale Struktur zu schaffen. So sind die Freiwilligen von TECHO in den Familien der Campamentos auch voll akzeptiert, die meisten verbringen ihre gesamte freie Zeit, die sie neben der Uni noch haben, bei TECHO. Hier ist also immer volles Programm, es gibt viel zu lernen (z.B. den traditionellen Tanz "cueca" der hier an Festen getanzt wird und der den Kindern aus den Campamentos beigebracht wurde).



Es gibt unglaublich viele Seiten von Chile zu entdecken, die Armut der Campamentos, die Offenheit der Leute, die lateinamerikanischen Straßen (und natürlich das totale Verkehrschaos :D), die rhythmische Musik (tausend mal besser als das stereotype Popgedudel aus den deutschen Radios!), das leckere Essen (ich werde mit Sicherheit dick werden, es schmeckt hier alles soo gut! Und man stelle sich vor, ich habe sogar Fisch und Muscheln gegessen :O war gar nicht so schlimm), tausende von riesigen Malls und Supermärkten, mit denen hier die Straßen zugepflastert sind, und natürlich das Meer und die Landschaft. Man kann schon erahnen wie schön es im Frühling wird, wenn mehr Sonne scheint und die Blumen zu blühen beginnen. 
Momentan ertrinkt man eher im Regen und es ist recht kühl, es regnet hier wirklich täglich. Aber man gewöhnt sich dran, das sieht man zum Beispiel auch daran dass hier keiner mit Regenschirmen aus dem Haus geht, eine Mütze reicht den meisten völlig aus als Regenschutz.

Typisch für den Süden Chiles- ein Spielplatz unter Wasser.


Aber abgesehen von dem nasskalten Wetter bin ich wohl im besten Monat nach Chile geflogen, der ganze September ist nämlich eine einzige Fiesta! Chile feiert am 18. seinen Nationalfeiertag, die Fiestas de Patria, und überall wird Flagge bekannt, viel gegessen und getrunken, gefeiert und 5 freie Tage genossen, an denen ich wohl mit meiner Familie einen Kurzurlaub machen werde. 
Hoffentlich bessert sich dann auch mein Spanisch weiter auf, ich verstehe zwar so gut wie alles, aber beim Sprechen hakt es einfach noch. Zumal die Leute hier eigentlich kein Spanisch sprechen, sondern Chilenisch, es gibt wahnsinnig viele Chilenismen, die man natürlich alle drauf haben muss :D ...die besten Beispiele sind "Cachái?", was so viel heißt wie "verstanden?" und "Weón", das wird eigentlich nach jedem zweiten Wort genutzt und heißt so viel wie "Alter" :D und natürlich das "Si po" oder "No po" oder "No sé po", da hängt man einfach immer ein "po" dran. Gefällt mir persönlich sehr gut, auch die Sprachmelodie ist ganz anders als im Spanischen, viel melodischer.
Was natürlich auch sehr nett ist sind die chilenischen Zungenbrecher, von denen es einige gibt. "Tres tristes tigres tregaron trigos en un tregal" ist beispielsweise perfekt um das rollende rrrrr zu lernen. 

So weit so gut erst mal, morgen geht meine nächste Arbeitswoche los, da bin ich von morgens um 8 bis abends um halb 10 voll beschäftigt und muss also früh ins Bett. Es gibt noch so viel zu erzählen aber so weit mal ein erster Einblick! 

Chiao, chiao!



Sonntag, 1. September 2013

Jetlag und Santiago im Nebel


Si, si, si...
Ich bin wirklich angekommen! In Santiago de Chile, nach 14 Stunden Flug von Paris, Tränenreichen Abschieden, ersten Gesprächsversuchen auf Spanisch, einem atemberaubenden Sonnenaufgang über den Anden und verspannten Schultern von schweren Bagpacker Rucksack liege ich im sehr modernen Hotelzimmer im Bett und lausche dem Stadtverkehr.





Unglaublich, wie viel sich in zwei Tagen ereignen kann. Kaum habe ich meinen Eltern das letzte Mal zugewinkt, hebt auch schon die Maschine ab und Stuttgart und Deutschland verschwinden hinter mir. Der Pariser Flughafen (die reinste Überforderung) bescherte mir dann erste Bekanntschaften mit anderen deutschen Mitreisenden (Schwaben :D) sowie einem anhänglichen Brasilianer, der ähnlich verloren war wie ich und die Chance nutzte, mich zu meinem Gate zu begleiten ...angeblich lache ich viel mehr als "normale" deutsche?! Naja, ein bisschen Vorfreude aufs neue Leben darf ja auch sein :)

Und nach ermüdenden 7 Stunden Wartezeit in Paris waren dann auch die anderen Leute von AFS eingetroffen und wir konnten gemeinsam den langen Flug antreten. Meine Sitznachbarin, eine ältere Dame aus Chile, klärte mich über die kulturellen Unterschiede von Nord bis Süd auf und erzählte eine Sage, die ich allerdings leider schon wieder vergessen habe und der ich auch nicht ganz folgen konnte... aber was solls, es zählt schließlich die Geste und auf den ersten Blick war mir die liebevolle chilenische Art sehr sympathisch. Der Schock kam dann erst bei der Landung, nachdem wir die wunderschöne Kulisse der Anden im Morgenlicht bestaunen durften tauchten wir in die Wolken ein- die sich dann auch bis zum Boden nicht lichteten: Santiago im Nebel, bei gefühlten 10 Grad. Es war richtig kalt hier! 




Dafür wurden wir umso herzlicher empfangen von dem AFSler Domingo (ja, er heißt tatsächlich einfach nur "Sonntag"), der uns sehr schön langsam und mit verständlichem Spanisch zum Essen einlud. Das Essen (Empanadas con queso y champiñon und pan con pebre) war der reinste Traum, die traditionellen spanischen Teigwaren verzauberten jeden von uns- es schmeckt hier einfach unglaublich lecker und ist alles sehr fettig.... was uns schon zu der Annahme brachte, 10 Kilo schwerer nach Hause zu kommen :D





Der Jetlag zwang uns dann schon um 10 Uhr in die Betten, nach schlaflosen und anstrengenden Tagen. Immerhin konnten wir uns soweit erholen dass der heutige Tag und das volle Programm ohne große Müdigkeit und in entspannter Stimmung abliefen. Zum ersten Mal konnten wir die wirklich schönen Seiten Santiagos bewundern als wir ein kleines, traditionell chilenisch aufgemachtes "Dorf" mitten in der Stadt besuchten. 





Heute wurde es dann auch richtig warm, obwohl die Chilenen nach wie vor in Winterklamotten durch die Straßen laufen, da fällt man übrigens sofort auf wenn man BLOND und GROß ist! Wir deutschen werden wohl immer die "Gringos" bleiben, wie man hier Ausländer mit heller Haut nennt.

Gleich gehen wir wieder auf die Straßen Santiagos um Abend zu essen, ich muss also los! Morgen um 5 Uhr aufstehen, zum Flughafen und ab zu den Gastfamilien, auf die wir uns hier alle schon sehr freuen :) und natürlich auch ein bisschen nervös sind... 

Hasta pronto, ich lasse von mir hören!