Montag, 10. März 2014

Weihnachten und Silvester... mal etwas anders!

Schon mal einen Sonnenbrand gehabt nach dem Weihnachtskarten basteln? Nein? Dann bestimmt weil Weihnachten auf der Nordhalbkugel normalerweise mit Schnee und Kälte verbunden ist und ich hier im Garten in kurzen Hosen in der Sonne lag und mich weigern wollte mir, wärend ich Sterne und Rentiere ausschneide, auch noch den Nacken einzucremen. Das gehört einfach irgendwie nicht zusammen... ist klar dass meine Weihnachtsstimmung um den 24. Dezember rum gleich Null lag, da halfen auch die kleinen Plastik Tannenbäumchen und die übertrieben blinkenden Lichterketten nicht, die hier wirklich in jedem Fenster hingen und bei deren Anblick ich mit schwerem Herzen an unsere guten alten Kerzen aus Wachs denken musste, die einfach ein so viel schöneres Licht verbreiten. Aber was solls, hier sind eben Blinkelichterketten in Mode, da musste ich mich halt dran gewöhnen. Zum Trost gönnte ich mir eine Schachtel Lebkuchen und Zimtsterne, extra aus Deutschland importiert, die ich hier im Supermarkt gefunden hatten und mir zumindest für einen Augenblick die Illusion von Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Gebrannten Mandeln gaben.



Tjaa die Weihnachtszeit ist in Deutschland schon schön, keine Frage, aber am Ende habe ich auch das chilenische Weihnachten lieben gelernt.

Nachdem ich mich am 24. noch auf der Suche nach den letzten Geschenken durch die Menschenmassen gedrückt hatte (die sind hier noch schlimmer als bei uns! Man gehe am besten eine Woche vor Weihnachten nicht mehr aus dem Haus, es sind einfach zu viele Menschen auf den Strassen) und dann endlich alles in diesen seltsamen bunten Plastikverpackungen eingepackt war, die man hier meist an Stelle von Geschenkpapier benutzt, ging es ans Vorbereiten von Heiligabend. Denn gegen Abend kam die ganze Familie zu Besuch, von der Grossmutter bis zu den Kleinsten, mit mehr als 20 Personen wirklich ein grosses Fest! Alle eingetroffen wurde Rotwein und Bowle getrunken, gegessen und noch mehr gegessen (natürlich Fleisch und später Kuchen, die typischsten Festmahlzeiten, und davon reichlich) und kurz vor 12 verkleidete sich mein Gastbruder als Weihnachtsmann um dann spektakulär oben auf dem Dach aus dem Fenster zu klettern und über eine Leiter zu den Kindern herunter zu steigen, mit einem Sack voller Geschenke- ein riesen Spass für die kleinen und zugegebener Massen auch für die Grossen, denn man muss dazu erwähnen: er war nicht mehr ganz nüchtern :-P
Und nach 12 ging das Chaos dann erst richtig los, ich war etwas überfordert als sich 25 Leute gleichzeitig auf den kleinen Weihnachtsbaum stürzten um Geschenke zu verteilen und selbst aufzumachen, sich zu umarmen und zu bedanken und das alles gleichzeitig. Aber bei der ausgelassenen Stimmung, Grossmütter mit ihren Töchtern im Arm und die Enkelkinder mit den neuen Spielsachen auf dem Boden zwischen all dem Troubel spielend- da kann man sich nur wohl fühlen! Für mich gab es sogar auch Geschenke, einen wunderschönen Schafsfell- Poncho, eine Bluse und eine Laptophülle aus Peru (haha, ich weiss, doof nur dass ich keinen Laptop mehr habe) und als Nachts um 3 dann der letzte Besucher das Haus verliess und wir müde ins Bett fielen war mir dann endgültig klar dass Weihnachten hier wirklich nicht langweilig ist.
Den nächsten Tag verbrachten wir dann alle gemeinsam am Strand des Llanquihue Sees und - na, Überraschung?- es wurde gegrillt. Der 25. wurde dann gemütlicher gefeiert, Grillen, Slacklinen, Sonnenbaden, mit den Kleinen spielen, Kuchen essen, Unterhalten... da hat das Sommerwetter doch seine Vorteile :)

Silvester mit der Familie (Wer findet mich? :D)
Und Silvester? Also das Beste an Silvester fehlte schon mal: Kein Feuerwerk. Oder zumindest kein eigenes, es gibt ein Feuerwerk von der Stadt aus, aber Böller sind nicht zu kaufen. Egal, braucht man nicht unbedingt denn dafür habe ich andere Bräuche kennengelernt... Wir trafen uns wieder mit der Familie, diesmal im Haus eines Verwandten und es gab wieder unglaublich viel und leckeres Essen zu dem sich die gesamte Familie um einen langen Tisch versammelte... Silvester ist hier nämlich genauso ein Familienfest wie Weihnachten und Mitternacht wird nicht unter Freunden sondern im familiären Kreise verbracht. Um 12 gab es dann die Neujahrsumarmung und Glückwünsche fürs neue Jahr und jeder bekam einen Champagner eingeschenkt- mit 12 Weintrauben darin, eine für jeden Monat, die man essen sollte und sich dabei etwas wünschen. 
Gegen halb 2 ging dann die Fiesta los, die Jugend auf die Strassen, in die Discos, bis morgens um 10. 
Und am nächsten Tag das Beste gegen den Kater: Grillen mit der Familie :D 
Mit Gastmami und Gastbruder :)

Samstag, 8. März 2014

Nachtrag!

Halli Hallo!
Mit 4 Monaten Verspätung kommt hier mal noch ein kleiner Nachtrag den ich euch dringend schulde... mein schlechtes Gewissen plagt mich dann doch, euch so lange ohne Neuigkeiten stehen zu lassen. 
Ich werde niemals alles aufschreiben können aber zumindest ein paar Fotos und die dazugehörigen Erinnerungen schicke ich dann doch in die grosse weite Welt hinaus :)




Mit der ganzen Crew bei unserer Weinprobe... mmmmh lecker!
Wir hatten nämlich im November 2013 unser erstes Treffen mit allen Freiwilligen von AFS in Cunaco in der Nähe von Santiago. Das war natürlich ein grosses Hallo die Leute wieder zu sehen, die man zu Beginn seiner Reise schweren Herzens verlassen hatte. Gemeinsam kosteten wir die folgenden Tage dann voll aus, Seminar in einer kleinen Villa mit eigenem Park, Weinprobe auf einem Weingut in der Nähe (wo alle ihre Liebe zum chilenischen Rotwein entdeckten, der dann an den folgenden Abenden sogar das heissgeliebte Bier ablöste), Museumsbesuch in einem Museum über die Geschichte Lateinamerikas und natürlich nächtelange Gespräche über das Leben in Chile. Was aus der Zeit hängen geblieben ist: Ich habe unglaubliches Glück mit meiner Gastfamilie, mit der ich wirklich überhaupt keine Probleme habe und die mir sehr grosse Freiheiten lässt. Beispielsweise was die Ausgehzeiten angeht, da müssen andere um 12 zu Hause sein und ich habe nur die Anweisung bitte wenn ich dann nach Hause komme ein Taxi zu nehmen.Und abgesehen davon verstehen wir uns eben bestens, nach wie vor, das hat sich auch in den letzten Monaten nicht geändert! 
Im Anschluss an unser Seminar gings dann mit den meisten Freiwilligen ab in die ersten Ferien- nach Valparaiso. Die Stadt hat ihren Namen absolut verdient, ein Paradies! 



Wo sich bunt bemalte Häuserwände aneinander reihen, mit kunstvollem Graffity besprühte Mauern hinter jeder Strassenbiegung auf den neugierigen Besucher warten, Gitarrenklänge und Gesang aus dem offenen Fenster dringen, ein warmer Wind die Hügelligen Strassen hinunter weht zum Meer, kleine Pubs und Läden einladen zum verweilen... wird ein jeder von dieser bunten Stadt inspiriert, die nicht mit Sauberkeit und Prunkbauten glänzt sondern einen mit ihrem künstlerischen Charme verzaubert. 
Alte Fotografien an der Wand des "Tren más lento del Mundo"
Wir enteckten in den wenigen Tagen, die wir in Valparaiso- kurz: Valpo- verbrachten so viele wunderame Dinge, beispielsweise einen Zug, der auf stillgelegten Schienen abgestellt wurde und zum "langsamsten Zug der Welt" erklärt. Dort kann man jetzt einen Kaffe trinken gehen, der wohl billigste Kaffe in Valparaiso, im Pappbecher serviert, und dabei den Klängen eines leicht verstimmten Klaviers lauschen, das in dem Zug zur Klavierstunde zur verfügung steht und auch die Besucher einlädt zum spielen. 

 

 Ein Stück weiter die Küstenstrasse entlang findet man eine Reihe von bunten Trabbis,die wie an riesigen Wäscheklammern aufgehängt vom Himmel baumeln. 
In der Innenstadt, die steilen Hügel hinauf (die man entweder mit einer unendlich langen Treppe bewältigen muss oder einen der vielen alten Aufzüge nutzen kann, die auf Schienen und von Zahnrädern getrieben die Berge hoch und runter rattern) findet man überall Graffity, bunte Kunstwerke, die dem Betrachter nie langweilig werden lassen. Wer Glück hat kann sich sogar auf einen Plausch mit einigen Strassenkünstlern einlassen und sie nach ihrem Leben ausfragen. Kein Wunder, dass der berühmte Dichter Pablo Neruda auch ein Haus in Valpo hatte, das heute als Museum zugänglich ist und die wohl schönste Aussicht über die Dächer der Paradiesstadt bietet. 
Bei so vielen Entdeckungsmöglichkeiten wurden wir nie müde, die Hügel rauf und runter zu laufen, auch Abends lohnte sich ein Ausflug durch die Strassen, die Avenida Alemana entlang, mit Blick auf die im Wasser versinkende Sonne während sich die Stadt in ein Meer aus Lichtern verwandelt. 
Am Strand von Viña del Mar
Von Lifekonzerten, Kunsthandwerkermärkten, Bootsfahrt an der Küste entlang, lecker Kochen mit gutem Rotwein und jeden Tag ein Kilo Erdbeeren auf dem Markt kaufen bis zum Ausflug nach Viña del Mar und einem gechillten Tag am Strand hatten wir wirklich alles was man sich für seine Ferien wünschen kann. Für mich ist Valpo eindeutig die schönste Stadt die ich je gesehen habe!
Der Hafen von Valpo bei Nacht
Gemeinsames Kochen beim gemütlichen Abend unter Freiwilligen
Hier noch ein aus dem Internet geklautes Bild- aber es sieht wirklich so aus! :)
Tja und weil das Leben ja viel zu schön wäre ohne gelegentliche Tragödien muss ich noch hinzufügen dass mir auf der Rückreise von Valpo nach Puerto Montt bei meinem 8 Stündigen Aufenthalt in Santiago mein Laptop geklaut wurde :( Deshalb auch der Mangel an Bildern, die hatte ich nämlich vorher noch alle schön auf meinen Computer gezogen um sie auf der Kamera löschen zu können. Mitten auf der Plaza de Armas wurde ich dann um meinen Mac und meinen Reisepass ärmer... da hatte ich dann 3 Stunden zeit um heulend zur Polizei zu rennen, mich von einem Büro ins andere schicken zu lassen, mir eine Bestätigung zu holen dass mir mein Pass geklaut wurde (ich musste ja irgendwie meinen Flug antreten können) und dann gerade rechtzeitig es noch zum Flughafen zu schaffen. Glücklicherweise mit einer Kopie meines Passes im Geldbeutel, sonst hätte ich wohl in Santiago festgesessen. 
Das war definitiv der schlimmste Tag meines Lebens, alles weg, sämtliche Fotos meines Lebens, Dokumente der Schule etc etc... und das nur weil man eine Tasche 2 Minuten aus den Augen lässt. Lebenslektion gelernt. Das passiert mir nicht noch einmal.

Samstag, 23. November 2013

Cangrejostyle am Strand von Metri und empanadas de camarón

Metri- ein wunderschöner Strand ganz in der Nähe von Puerto Montt
Schon schmeckt man die Sonnencreme auf der Haut, die vom Sommer in Deutschland noch leicht gebräunt ist, das Salz in den Haaren, die Wärme im Nacken. Auch wenn der Süden Chiles um diese Zeit noch nicht mit Hitze lockt (falls er das jemals tun wird, man sagt mir nur ich solle mir keine allzu grossen Hoffnungen machen) und der Pulli noch oben auf der Tasche liegt gibt es jene Tage, die mit verheissungsvoller Wärme zum Strand rufen. Das klare Wasser, auf dem sich die strahlende Sonne spiegelt, ist nicht wirklich kalt und der Sand über und über von Muscheln bedeckt. 





Hier gibt es keine Touristen, nur einige Fischer, die sich mit wettergegerbtem Gesicht über ihre Boote beugen um den Lack zu prüfen und Kletterer, die sich an den Felsen am Strand versuchen und die Sonne beim Bouldern geniessen. Ich finde natürlich auch einige Krebse, die sich unter Steinen versteckt halten und in ihrer Mittagsruhe gestört werden um abgelichtet zu werden. Da ich die kleinen unschuldigen Geschöpfe nicht besonders mag werde ich natürlich sofort damit aufgezogen- wir sind hier schliesslich in Chile, da gehören Krebse zum Alltag- und ab sofort wird nur noch mit klappernden Scheeren seitwärts gelaufen- Cangrejostyle statt Gangnamstyle-und schon ist ein neuer Tanz erfunden. Damit soll ich in Deutschland die Clubs stürmen, naja ich weiss nicht aber ich werds versuchen :D


Cangrejostyle! :D
El cangrejo más peligroso... ein sehr
gefährlicher Krebs!





Nach ausgiebiger Muschelsuche, unangenehmen Bekanntschaften mit diversen Meerestieren (nicht meine Lieblingstiere), klettern und Fotoshession liege ich im Sand und höre den Wellen zu. Hier gibt es auch Ebbe und Flut, und das Meer zieht sich gerade langsam zurück und gibt noch mehr Muscheln frei. Zu den leisen Klängen von lateinamerikanischer Musik lässt es sich jedenfalls gut träumen, von Reisen um die Welt und Abenteuern. Und weiter träume ich in einem kleinen Cafe, in das wir auf dem Rückweg nach Puerto Montt einkehren um Empanadas de Camerón (Garnelen- Empanadas) zu essen, mit viel Käse, der einem flüssig und salzig die Hand runter läuft und sich mit dem Salz des Meeres auf der Haut vermischt. Blick auf das unendliche Meer, in dem frontal vor mir die Sonne versinkt und den Himmel rosa zu färben beginnt. Eine argentinische Frau mit einem deutschen Mann haben sich hier niedergelassen um ein kleines Cafe zu bewirtschaften, in dem auch selbstgemachte Marmeladen und Alpakafell- Schals angeboten werden...Chile zeigt sich von seiner multikulturellen Seite. Ich fühle mich in dem gemütlichen Ambiente sofort sehr wohl und werde beim nächsten Badetag am Strand von Metri sicher wieder hier vorbei kommen... und weiter träumen!




Freitag, 22. November 2013

Auf dem Dach der Welt...

Jetzt habe ich es doch wieder geschafft, obwohl hier der Frühling ausbricht habe ich mich dick erkältet und liege im Bett... Zeit, mal einen Blogeintrag nachzuholen und von meinen Erlebnissen zu erzählen. Schliesslich kann ich niemandem vorenthalten, wie ich es auf das Dach der Welt geschafft habe (zwar nicht ganz richtig aber immerhin habe ich einen Vulkan von 3747 m bestiegen!) und den Ausblick von da oben will ich auch in eure Wohnzimmer bringen. Also lehnt euch zurück während ich euch erzähle wie ich mit ketzter Kraft den Gipfel erklimme.

Grenze zu Argentinien- im Hintergrund der Lanín


Zu dramatisch? Du hast gut reden, ich wusste nämlich nicht auf was ich mich da genau einlasse als ich meinte, ich würde mit sicherheit bis ganz nach oben wollen. Aber die Vorfreude meines energiegeladenen Gastbruders war einfach ansteckend und nach ausgiebigem Einkauf von Nüssen, Schokolade, Keksen, Pulvermilch, Pulversaft, Fertigrisotto und diversen anderen Dingen, die unser Überleben sichern sollten, machten wir uns gemeinsam mit Freunden vom Clubdeescala Patagonia (Kletterverein) auf den Weg nach Argentinien. Der Vulkan den es zu besteigen galt heisst "Lanín" und liegt direkt hinter der Grenze, nicht weit entfernt von dem schönen Ort "Pucón".

La montañista! :D
Am Fuss des Berges angekommen musste unsere Gruppe von 8 Leuten sich erst von der Bergwacht registrieren und durchchecken lassen, ob die Ausrüstung auch stimmt. Ohne Eispickel, Steigeisen, Helm, Bergsteigerschuhe, Zelt, Schlafsack und Wasserkocher darf man die Wanderung gar nicht erst antreten... logisch! Dummerweise waren meine Schuhe ausgeliehen und mir wurden meine Blasen schon vorher prophezeit... aber davon später mehr.

Unsere super motivierte Gruppe! 










Los ging es also, bewaffnet mit schwerem Gepäck, durch Wald, Geröll und Schutt bis zur Schneegrenze. Bis dort hin hiess es erst mal schwitzen! Ordentlich heiss zwischen den Felsbrocken, unter der erbarmungslosen Sonne. Im Schnee dann weiter mit dem Eispickel, um sich im Schnee halten zu können für den Fall dass man abrutscht. Stundenlang ging es im Zickzack die steilen Hänge hinauf, jeder in seinem eigenen Rhytmus, Atmen, Laufen, einen Fuss vor den anderen, Trinken.... Und damit einem nicht langweilig wird mit seinem Gastbruder über die spanische Gramatik diskutieren. Jaaa ganz richtig, wenn man so viel Zeit hat ist es sogar überaus interessant sich in die schwierigen Fälle des "Was wäre gewesen wenn" zu vertiefen :D ...."Wenn ich nicht hier gewesen wäre, was hätte ich gemacht?" ...und das ganze jetzt auf spanisch!
Con el mejor hermano! 


Pause im Schnee... mit Blick auf das ferne Ziel :D

Das Zelt steht perfekt! Einmal posen bitte!
Gegen Abend, nach ca 9 Stunden, kam dann endlich das Refugio in Sicht, wo wir unsere Zelte aufschlugen und fleissig Schnee im Wasserkocher schmolzen. Erste Hälfte geschafft, und die Aussicht ist jede Anstrengung wert! Mit Blick auf die Anden wurden Nudeln, Reis und Tee gekocht, Fotos geschossen und viel gescherzt und gelacht, trotz der Blasen an den Füssen, die sich jetzt schon bemerkbar machten, aber die Stimmung war bestens... Gipfel, wir kommen! Als ich dann bei anbrechender Dunkelheit und dem Aufblitzen der ersten Sterne eine Sternschnuppe zu Gesicht bekam war dies auch mein einziger Wunsch: ich will es bis nach oben schaffen!

...in der Region der Seen!

Aussicht auf die Anden


Nie zu müde um Fotos zu machen!




Noch ganz verschlafen auf Nachtwanderung
Früh ins Bett, bzw in den Schlafsack, am besten mit der warmen Flasche voller Tee um nicht zu frieren, denn um 2 Uhr nachts hiess es aufstehen, anziehen und los laufen! In völliger Dunkelheit, nur durch einzelne Lichtkegel der Stirnlampen durchbrochen, ging es weiter nach oben. Da der Schnee jetzt vereist war, mussten wir kurz Halt machen um die Steigeisen anzulegen, mit denen es dann sehr viel einfacher zu laufen ist. Nach etwa 2 Stunden bestätigte der Blick nach hinten den kommenden Sonnenaufgang. Unglaublich, wie sich der Himmel zu färben beginnt, das Schwarz der Nacht langsam einem satten Hellblau weicht und die Sonne purpurrot zu steigen beginnt.



Frühstückspause :)











Nach einem kurzen Frühstück auf ca 3000 Metern Hóhe zogen wir motiviert wieder los, um noch steilere Hänge zu bezwingen. Als sich die Landschaft dann veränderte, von schneebedeckten Hängen zu eiszerfurchtem Untergrund wussten wir dass es bald geschafft sein musste... die Höhe liess das Herz schon schneller schlagen, die Pausen wurden häufiger, jeder Schritt anstrengend. Und trotzdem: Nach 6 Stunden erreichten wir den Gipfel des Vulkans. Das Gefühl war einfach unbeschreiblich, wie der Wind an dir zerrt, die Welt zu deinen Füssen, 360 Grad Panoramablick... da fielen sich erst mal alle in die Arme und es wurde fleissig gratuliert- mein erster Aufstieg auf einen Vulkan! :)
über den Wolken...

...ist die Aussicht atemberaubed! 
Versammlung auf dem Gipfel
und Gratulation zum Aufstieg!

Und dann einfach nur geniessen!

Hermaniiitooo! Lo hicimos, somos los mejores!

Saluuud! Oder auch Prost :D
Zur Feier des Tages gab es dann einen Schluck Vodka oder Rum (oder auch zwei, gegen die Kälte :D) und nach vielen Nüssen, Schoki, Trockenfrüchten, Marshmallows und was sonst noch an konzentriertem Zucker zu finden war machten wir uns an den Abstieg. Der stellte sich als nicht weniger Kräftezehrend dar, bei jedem Schritt lief man Gefahr, auszurutschen. Deshalb entschieden sich die meisten für eine einfachere Technik: Beine hoch und ab gehts auf dem Po nach unten :D

Tirarse en poto jajaja

Zuguter letzt sammelten wir unser Zelt auf und machten uns an die letzte Hürde, diesmal bergab mit Gepäck durch angetauten Schnee... ihr könnt euch vorstellen dass es mich nicht nur einmal von den Füssen gerissen hat... aber immerhin lief ich nicht Gefahr, von einem Felsen überrollt zu werden, der sich direkt neben Daniel (meinem Gastbruder) und mir löste und hangabwärts stürtzte. Dabei verfehlte er nur knapp unsere Freunde, die weiter unten den Hang hinab stiegen und sich mit einem Hechtsprung retten konnten. Klingt dramatisch, war es auch. Da blieb mir kurz das Herz stehen, als wir schreiend versuchten, die anderen zu warnen.

Weniger spektakulär ging es dann unterhalb der Schneegranze weiter, obwohl ich einmal stolperte und mir fast die Bänder überdehnte... aber es tat mir sowieso schon alles weh :D Die Kniegelenke, meine Ferse eine einzige Blase und mein Knöchelgelenk... da hat der Berg doch seinen Tribut gefordert. Diese Bilder lasse ich euch erspart, ausserdem habe ich mich mittlerweile erholt und bin bereit für meinen nächsten Vulkan! Muss nur erst wieder gesund werden...

In diesem Sinne verabschiede ich mich von euch, lasst euch ein bisschen von den Bildern verzaubern!
So schön ist Chile!

Sonntag, 27. Oktober 2013

La alemana loca! ...ein ganz normaler Arbeitstag


Ich überquere eine rote Ampel und ziehe mir meine Mütze vom Kopf weil es irgendwie viel zu warm ist für meine dicke Winterjacke, Schal, Mütze und Stiefel, die Sonne wärmt zur Abwechslung zum Dauerregen schon seit einigen Tagen die Stadt und kämpft mit dem kalten Wind, der vom Meer her weht. Ich bin auf dem Weg zum Büro und folge einem Strom von Menschen, durch hupende Autos hindurch und an lauter winzigen Ständen vorbei. Sobald die Sonne die regennassen Straßen trocknet bieten die Leute an jeder Ecke Essen, Trinken, Strickwahren und sonstige kleine Sachen zum Verkaufen an und die Luft ist erfüllt von den Rufen der Händler. Neben mir hält hupend ein Bus, der Fahrer winkt mir zu und hält den Daumen hoch... ich muss grinsen. Man gilt hier sobald man blond ist sofort als Heidi Klum, ich erinnere mich an einen Mann, der mich auf der Straße angesprochen hatte ob er nicht ein Foto mit mir machen könne. Etwas weniger Aufmerksamkeit wäre mir manchmal ganz lieb.
Aber was solls, ich kaufe mir gerade ein Gebäckstück mit Manjar, das hier so etwas wie das Nutella von Chile ist, nur tausend mal leckerer und schmeckt nach Karamell. 500 Pesos zahle ich dafür, man gewöhnt sich langsam daran dass hier alles ein paar Nullen mehr hat. Kauend schlängle ich mich durch die Leute, die alle viel langsamer unterwegs sind als ich (man hat hier schließlich Zeit, nur die deutsche hats mal wieder eilig :D) und stehe bald vor der weißen Mauer vor dem Büro von TECHO. Die Fenster stehen offen, sodass ich nach dem Klingeln das typische Geschrei vernehme ("Ich nicht!!", und wer zuletzt schreit muss zur Tür gehen und öffnen). Der Summer erklingt und ich öffne das Tor, laufe die Treppen hoch zum Haus und begrüße alle mit einem Küsschen auf die Backe.
Das Büro, unordentlich wie immer, ist voll mit Leuten, einige räumen gerade das Mittagessen weg (die obligatorischen Spaghetti ohne Soße) und unterhalten sich gutgelaunt zu Musik von Chico Trujillo.
Ich suche Thilo um mit unserem Projekt weiter zu machen, heute Nachmittag fahren wir in das Campamento "Futuro Esperanza" um mit den Kindern zu arbeiten. Dafür werden noch schnell Stoffreste zusammengesucht und in eine Kiste gepackt, dann eben noch in einen Supermercado um Süßes zu kaufen und gemeinsam laufen wir dann zum Terminal de Buses. Auch hier werben die Fahrer für ihre Strecke, ich frage mich nur immer welchen Zweck das haben soll, schließlich setzt sich keiner in einen Bus und fährt irgendwo hin ohne vorher ein bestimmtes Ziel gehabt zu haben. Aber dafür ist Bus fahren hier unglaublich billig, obwohl das Benzin in etwa so teuer ist wie in Deutschland der Diesel. 
Nach etwa 10 Minuten über holprige Straßen verändern sich die Häuser, wir kommen in ein Viertel in dem die gepflegten Vorgärten weichen, Hunde und Kinder auf dem Schotter der Straße spielen und um die Hütten aus Wellblech liegt überall Müll.
"Hoooolaaaa Tiiiaaa!" begrüßen die Kinder des Campamentos die Freiwilligen, willkommen im Alltag von Techo. 
Nach einem chaotischen Nachmittag und anstrengendem Fangen spielen fahren wir gemeinsam wieder zum Büro und ich mache mich auf den Heimweg. Die Sonne färbt den Ozean und die vorgelagerten Inseln schon rosa, morgen wird wohl wieder schönes Wetter werden. Ich stöpsel mir meine Hörer ins Ohr und laufe beschwingt zum Takt von "We are the people" an der Küste entlang nach Hause. 

Samstag, 28. September 2013

Endlich Zeit für einen Post!

Ich vernachlässige meinen Blog aufs Schlimmste, ist mir gerade aufgefallen, da ich so unglaublich viel erlebt habe dass ich niemals alles aufschreiben kann. Mittlerweile gehe ich etwas anders durch die Straßen von Puerto Montt, kenne schon die Arbeiter auf den Straßen, die mich immer begeistert grüßen, passe mich der Devise "nicht bei rot stehen und bei grün gehen sondern höchstens stehen wenn man Gefahr läuft überfahren zu werden" an und finde meist auch die richtige Himmelsrichtung.
Mir gefällt es hier! ich komme zwar kaum zu einer ruhigen Minute in der ich mich mal um mich selbst kümmern könnte (geschweige denn Blog schreieben) aber dafür ist Langeweile mittlerweile auch aus meinem Wortschatz gestrichen! Wenn ich nicht gerade im Büro sitze und nichts zu tun habe, was öfter mal vor kommt, aber immer mit Facebook, Gesprächen, Raucherpause, Kaffeepause oder anderweitigen Aktivitäten beglichen wird (die Chilenen scheinen mir ausgesprochen rauchfreudig, denn man raucht hier nicht eine Zigarette sondern mindestens 5 hintereinander :D). Aber ich starte schon bald mein eigenes Projekt, gemeinsam mit Thilo, dem anderen deutschen bei Techo, und dann werden wir jede Menge zu tun haben. Unsere Idee ist es mit den Kindern der Campamentos, der Armenviertel, Handpuppen zu basteln und ein Theaterstück einzustudieren und dieses dann gemeinsam vorzuführen. Wir dachten, es sei sicher einfacher zum Kennenlernen mit den Kleinen zu beginnen... aber nach einem Besuch bei einer Familie mit 3 Kindern, die alle, verwundert über unsere seltsame Aussprache, begannen unser Spanisch zu korrigieren, wurde ich eines besseren belehrt. Wie bitte lernt man, beim Sprechen zwischen einem "r" und zwei "rr" zu unterscheiden? Für mich war das bisher alles das gleiche :D und es fällt mir schwer da einen hörbaren Unterschied hinzubekommen... aber naja, ansonsten läuft die chilenisierung auf Hochturen! :D

So, um euch nicht alles vorzuenthalten eine kurze Zusammenfassung von dem was ich erlebt habe:



Marcha de la Partida Socialista de Chile
1. Ich habe gemeinsam mit einigen Freiwilligen an einem "Marsch" der sozialistischen Partei Chiles teilgenommen. Da momentan Wahlkampf ist sind alle politisch sehr aktiv... und wollten an Salvador Allendes Zeit erinnern und an den Kampf um soziale Gerechtigkeit. Ein eindrucksvolles Schild am Straßenrand: "Traurige Anmerkung: Die Diktatur dauert noch immer an"... das hat mich schon zum Nachdenken bewegt.





Mit meinem Bruder beim Biken
2.Gemeinsam mit meinem Bruder und einem Cousin sind wir auf den Vulkan Osorno gefahren zum Ski fahren und Boarden. Leider hat es dermaßen gestürmt dass der Lift geschlossen war und wir uns mit einem Spaziergang zufrieden geben mussten... aber nichtsdestotrotz ein wunderschöner Ausflug!
Und später sind wir dann noch 20 km gebiked, mit dem Fahrrad am Meer entlang! Ob Joggen, Biken oder sonstige sportliche Aktivitäten, alles findet hier immer in der Nähe des Meeres statt :))
Aussicht vom Vulkan Osorno


Geburtstagsfeier mit der Familie und riesiger Tanzfläche
3.Mir wurde gesagt, wir gehen einen Geburtstag feiern. Aber wie die Chilenen Geburtstage feiern wusste ich bis dahin noch nicht :D Meine riesige Familie von ca 50 Verwandten deren Beziehungen zueinander zu verstehen sicherlich Jahrzehnte fordert, versammelte sich (ironischerweise in einem Gasthaus Namens "Club Alemán") um ein Festessen zu verspeisen, reichlich zu trinken und später bis tief in die Nacht ausgelassen zu tanzen. Um 3 Uhr nachts liefen noch die kleinen fünfjährigen um die Tische und auch bis 4 Uhr Nachts tanzten die Omas, Onkels, Tanten etc. usw. auf der überfüllten Tanzfläche. Verglichen dazu sind wir deutschen sind wirklich prüde!


4. FIESTAS PATRIAS! Choripan, Choripan, Teremoto, Choripan, Terremoto, Piscola, Choripan, Empanadas, Navegado, Empanadas, Choripan. Carrete. Und Cueca.
Schon die kleinsten tanzen Cueca!
So lassen sich die Feiertage hier eigentlich recht gut zusammenfassen :D Schon eine Woche vor dem 18. September, dem Nationalfeiertag zogen wir mit Techo durch die Campamentos um mit den Familien dort gemeinsam die Fiestas Patrias zu feiern. Dabei wird viel gegrillt und in Massen Choripan gegessen, das ist Brötchen mit Chorrizo und Pebre, also mit Wurst und kleingeschnittenen Tomaten und Zwiebeln. Sehr lecker aber ich habe definitiv zu viel davon gegessen :D und zu viel Essen gehört natürlich auch viel trinken, das chilenische Getränk "Terremoto" und "Navegado", also Glühwein. Und um wenigstens ein bisschen in Bewegung zu bleiben ereiferten sich die Freiwilligen und Bewohner der Campamentos beim Tauziehen, Sackhüpfen, Werfen und Tanzen, was die Stimmung natürlich um einiges steigen ließ.



So viel zum kulinarischen Teil, anderweitig haben wir noch Familie besucht und waren am 18. natürlich feiern. Zurück kamen wir dann mit einem Auto ohne Heckscheibe... die hatte wohl jemand mit einem Stein eingeschmissen sodass wie den folgenden Tag damit verbrachten, tausende von Glassplittern von den Rücksitzen zu sammeln... 
Ich beim Empanadas machen :)
Ansonsten liefen die Feiertage ziemlich ruhig ab, die Leute haben hier schöne Traditionen, wie zum Beispiel einen Drachen steigen zu lassen und überall in sämtlichen Vorgärten weht die chilenische Fahne. Eindrucksvoll!


Beim Grillen von Choripan


















Auto im Schlamm :D
5. Klettern in Llifen: Gemeinsam mit Freunden meines Bruders aus Santiago und eben diesem sind wir dann noch für drei Tage nach Llifen gefahren, das sich etwa 3 Stunden Autofahrt nördlich von Puerto Montt befindet. Uns empfing eine wunderschöne Landschaft, zwischen Kuhweiden und Felsen, richtig auf dem Land. Nur der Weg zu unserem Campingplatz gestaltete sich etwas schwierig, ohne Geländewagen hätte ich den eher nicht passiert, aber mein Bruder meinte das sei kein Problem. So kam es dann dass wir in einer riesigen Schlammpfütze stecken blieben und gefühlte 2 Stunden versuchten, Bretter unter die Autoreifen zu schieben um da wieder raus zu kommen. Hinterher war das ehemals silberglänzende Auto mit einer braunen Schlammschicht überzogen, dazu noch die fehlende Heckscheibe... das arme Auto! :D
Traumhafter Blick aus dem Zelt!


Aber wir haben es dann doch geschafft, wenn auch auf abenteuerliche Weise, schlugen die Zelte auf und ab gings zum Klettern. Mein Bruder ist absoluter Pro was das klettern an geht und ich frage mich, ob bei ihm die Schwerkraft nicht gilt, ich hatte jedenfalls meine Probleme die Felsen zu erklimmen... was man von ihm nicht gerade behaupten konnte :D 
Aber es hat unglaublich Spaß gemacht und ich bin jetzt auch absolut kletterbegeistert. Am Abend dann noch bei einem Lagerfeuer chilenischen Rotwein genießen- ein perfektes Wochenende! (Wenn man von meinem Muskelkater absieht!)


Kletterbegeistert :)
Mein Bruder der Profi :D


Gemütlicher Abend, Lagerfeuer und Rotwein!
Blick beim Klettern, ich hatte nur Angst um meine Kamera!





































So weit erst mal das Wichtigste, ich muss jetzt mal schlafen gehen und lasse bald wieder von mir hören :) Grüße aus dem frühlingshaften und erstaunlich sonnigen Chile! :)