Freitag, 22. November 2013

Auf dem Dach der Welt...

Jetzt habe ich es doch wieder geschafft, obwohl hier der Frühling ausbricht habe ich mich dick erkältet und liege im Bett... Zeit, mal einen Blogeintrag nachzuholen und von meinen Erlebnissen zu erzählen. Schliesslich kann ich niemandem vorenthalten, wie ich es auf das Dach der Welt geschafft habe (zwar nicht ganz richtig aber immerhin habe ich einen Vulkan von 3747 m bestiegen!) und den Ausblick von da oben will ich auch in eure Wohnzimmer bringen. Also lehnt euch zurück während ich euch erzähle wie ich mit ketzter Kraft den Gipfel erklimme.

Grenze zu Argentinien- im Hintergrund der Lanín


Zu dramatisch? Du hast gut reden, ich wusste nämlich nicht auf was ich mich da genau einlasse als ich meinte, ich würde mit sicherheit bis ganz nach oben wollen. Aber die Vorfreude meines energiegeladenen Gastbruders war einfach ansteckend und nach ausgiebigem Einkauf von Nüssen, Schokolade, Keksen, Pulvermilch, Pulversaft, Fertigrisotto und diversen anderen Dingen, die unser Überleben sichern sollten, machten wir uns gemeinsam mit Freunden vom Clubdeescala Patagonia (Kletterverein) auf den Weg nach Argentinien. Der Vulkan den es zu besteigen galt heisst "Lanín" und liegt direkt hinter der Grenze, nicht weit entfernt von dem schönen Ort "Pucón".

La montañista! :D
Am Fuss des Berges angekommen musste unsere Gruppe von 8 Leuten sich erst von der Bergwacht registrieren und durchchecken lassen, ob die Ausrüstung auch stimmt. Ohne Eispickel, Steigeisen, Helm, Bergsteigerschuhe, Zelt, Schlafsack und Wasserkocher darf man die Wanderung gar nicht erst antreten... logisch! Dummerweise waren meine Schuhe ausgeliehen und mir wurden meine Blasen schon vorher prophezeit... aber davon später mehr.

Unsere super motivierte Gruppe! 










Los ging es also, bewaffnet mit schwerem Gepäck, durch Wald, Geröll und Schutt bis zur Schneegrenze. Bis dort hin hiess es erst mal schwitzen! Ordentlich heiss zwischen den Felsbrocken, unter der erbarmungslosen Sonne. Im Schnee dann weiter mit dem Eispickel, um sich im Schnee halten zu können für den Fall dass man abrutscht. Stundenlang ging es im Zickzack die steilen Hänge hinauf, jeder in seinem eigenen Rhytmus, Atmen, Laufen, einen Fuss vor den anderen, Trinken.... Und damit einem nicht langweilig wird mit seinem Gastbruder über die spanische Gramatik diskutieren. Jaaa ganz richtig, wenn man so viel Zeit hat ist es sogar überaus interessant sich in die schwierigen Fälle des "Was wäre gewesen wenn" zu vertiefen :D ...."Wenn ich nicht hier gewesen wäre, was hätte ich gemacht?" ...und das ganze jetzt auf spanisch!
Con el mejor hermano! 


Pause im Schnee... mit Blick auf das ferne Ziel :D

Das Zelt steht perfekt! Einmal posen bitte!
Gegen Abend, nach ca 9 Stunden, kam dann endlich das Refugio in Sicht, wo wir unsere Zelte aufschlugen und fleissig Schnee im Wasserkocher schmolzen. Erste Hälfte geschafft, und die Aussicht ist jede Anstrengung wert! Mit Blick auf die Anden wurden Nudeln, Reis und Tee gekocht, Fotos geschossen und viel gescherzt und gelacht, trotz der Blasen an den Füssen, die sich jetzt schon bemerkbar machten, aber die Stimmung war bestens... Gipfel, wir kommen! Als ich dann bei anbrechender Dunkelheit und dem Aufblitzen der ersten Sterne eine Sternschnuppe zu Gesicht bekam war dies auch mein einziger Wunsch: ich will es bis nach oben schaffen!

...in der Region der Seen!

Aussicht auf die Anden


Nie zu müde um Fotos zu machen!




Noch ganz verschlafen auf Nachtwanderung
Früh ins Bett, bzw in den Schlafsack, am besten mit der warmen Flasche voller Tee um nicht zu frieren, denn um 2 Uhr nachts hiess es aufstehen, anziehen und los laufen! In völliger Dunkelheit, nur durch einzelne Lichtkegel der Stirnlampen durchbrochen, ging es weiter nach oben. Da der Schnee jetzt vereist war, mussten wir kurz Halt machen um die Steigeisen anzulegen, mit denen es dann sehr viel einfacher zu laufen ist. Nach etwa 2 Stunden bestätigte der Blick nach hinten den kommenden Sonnenaufgang. Unglaublich, wie sich der Himmel zu färben beginnt, das Schwarz der Nacht langsam einem satten Hellblau weicht und die Sonne purpurrot zu steigen beginnt.



Frühstückspause :)











Nach einem kurzen Frühstück auf ca 3000 Metern Hóhe zogen wir motiviert wieder los, um noch steilere Hänge zu bezwingen. Als sich die Landschaft dann veränderte, von schneebedeckten Hängen zu eiszerfurchtem Untergrund wussten wir dass es bald geschafft sein musste... die Höhe liess das Herz schon schneller schlagen, die Pausen wurden häufiger, jeder Schritt anstrengend. Und trotzdem: Nach 6 Stunden erreichten wir den Gipfel des Vulkans. Das Gefühl war einfach unbeschreiblich, wie der Wind an dir zerrt, die Welt zu deinen Füssen, 360 Grad Panoramablick... da fielen sich erst mal alle in die Arme und es wurde fleissig gratuliert- mein erster Aufstieg auf einen Vulkan! :)
über den Wolken...

...ist die Aussicht atemberaubed! 
Versammlung auf dem Gipfel
und Gratulation zum Aufstieg!

Und dann einfach nur geniessen!

Hermaniiitooo! Lo hicimos, somos los mejores!

Saluuud! Oder auch Prost :D
Zur Feier des Tages gab es dann einen Schluck Vodka oder Rum (oder auch zwei, gegen die Kälte :D) und nach vielen Nüssen, Schoki, Trockenfrüchten, Marshmallows und was sonst noch an konzentriertem Zucker zu finden war machten wir uns an den Abstieg. Der stellte sich als nicht weniger Kräftezehrend dar, bei jedem Schritt lief man Gefahr, auszurutschen. Deshalb entschieden sich die meisten für eine einfachere Technik: Beine hoch und ab gehts auf dem Po nach unten :D

Tirarse en poto jajaja

Zuguter letzt sammelten wir unser Zelt auf und machten uns an die letzte Hürde, diesmal bergab mit Gepäck durch angetauten Schnee... ihr könnt euch vorstellen dass es mich nicht nur einmal von den Füssen gerissen hat... aber immerhin lief ich nicht Gefahr, von einem Felsen überrollt zu werden, der sich direkt neben Daniel (meinem Gastbruder) und mir löste und hangabwärts stürtzte. Dabei verfehlte er nur knapp unsere Freunde, die weiter unten den Hang hinab stiegen und sich mit einem Hechtsprung retten konnten. Klingt dramatisch, war es auch. Da blieb mir kurz das Herz stehen, als wir schreiend versuchten, die anderen zu warnen.

Weniger spektakulär ging es dann unterhalb der Schneegranze weiter, obwohl ich einmal stolperte und mir fast die Bänder überdehnte... aber es tat mir sowieso schon alles weh :D Die Kniegelenke, meine Ferse eine einzige Blase und mein Knöchelgelenk... da hat der Berg doch seinen Tribut gefordert. Diese Bilder lasse ich euch erspart, ausserdem habe ich mich mittlerweile erholt und bin bereit für meinen nächsten Vulkan! Muss nur erst wieder gesund werden...

In diesem Sinne verabschiede ich mich von euch, lasst euch ein bisschen von den Bildern verzaubern!
So schön ist Chile!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen