Montag, 10. März 2014

Weihnachten und Silvester... mal etwas anders!

Schon mal einen Sonnenbrand gehabt nach dem Weihnachtskarten basteln? Nein? Dann bestimmt weil Weihnachten auf der Nordhalbkugel normalerweise mit Schnee und Kälte verbunden ist und ich hier im Garten in kurzen Hosen in der Sonne lag und mich weigern wollte mir, wärend ich Sterne und Rentiere ausschneide, auch noch den Nacken einzucremen. Das gehört einfach irgendwie nicht zusammen... ist klar dass meine Weihnachtsstimmung um den 24. Dezember rum gleich Null lag, da halfen auch die kleinen Plastik Tannenbäumchen und die übertrieben blinkenden Lichterketten nicht, die hier wirklich in jedem Fenster hingen und bei deren Anblick ich mit schwerem Herzen an unsere guten alten Kerzen aus Wachs denken musste, die einfach ein so viel schöneres Licht verbreiten. Aber was solls, hier sind eben Blinkelichterketten in Mode, da musste ich mich halt dran gewöhnen. Zum Trost gönnte ich mir eine Schachtel Lebkuchen und Zimtsterne, extra aus Deutschland importiert, die ich hier im Supermarkt gefunden hatten und mir zumindest für einen Augenblick die Illusion von Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Gebrannten Mandeln gaben.



Tjaa die Weihnachtszeit ist in Deutschland schon schön, keine Frage, aber am Ende habe ich auch das chilenische Weihnachten lieben gelernt.

Nachdem ich mich am 24. noch auf der Suche nach den letzten Geschenken durch die Menschenmassen gedrückt hatte (die sind hier noch schlimmer als bei uns! Man gehe am besten eine Woche vor Weihnachten nicht mehr aus dem Haus, es sind einfach zu viele Menschen auf den Strassen) und dann endlich alles in diesen seltsamen bunten Plastikverpackungen eingepackt war, die man hier meist an Stelle von Geschenkpapier benutzt, ging es ans Vorbereiten von Heiligabend. Denn gegen Abend kam die ganze Familie zu Besuch, von der Grossmutter bis zu den Kleinsten, mit mehr als 20 Personen wirklich ein grosses Fest! Alle eingetroffen wurde Rotwein und Bowle getrunken, gegessen und noch mehr gegessen (natürlich Fleisch und später Kuchen, die typischsten Festmahlzeiten, und davon reichlich) und kurz vor 12 verkleidete sich mein Gastbruder als Weihnachtsmann um dann spektakulär oben auf dem Dach aus dem Fenster zu klettern und über eine Leiter zu den Kindern herunter zu steigen, mit einem Sack voller Geschenke- ein riesen Spass für die kleinen und zugegebener Massen auch für die Grossen, denn man muss dazu erwähnen: er war nicht mehr ganz nüchtern :-P
Und nach 12 ging das Chaos dann erst richtig los, ich war etwas überfordert als sich 25 Leute gleichzeitig auf den kleinen Weihnachtsbaum stürzten um Geschenke zu verteilen und selbst aufzumachen, sich zu umarmen und zu bedanken und das alles gleichzeitig. Aber bei der ausgelassenen Stimmung, Grossmütter mit ihren Töchtern im Arm und die Enkelkinder mit den neuen Spielsachen auf dem Boden zwischen all dem Troubel spielend- da kann man sich nur wohl fühlen! Für mich gab es sogar auch Geschenke, einen wunderschönen Schafsfell- Poncho, eine Bluse und eine Laptophülle aus Peru (haha, ich weiss, doof nur dass ich keinen Laptop mehr habe) und als Nachts um 3 dann der letzte Besucher das Haus verliess und wir müde ins Bett fielen war mir dann endgültig klar dass Weihnachten hier wirklich nicht langweilig ist.
Den nächsten Tag verbrachten wir dann alle gemeinsam am Strand des Llanquihue Sees und - na, Überraschung?- es wurde gegrillt. Der 25. wurde dann gemütlicher gefeiert, Grillen, Slacklinen, Sonnenbaden, mit den Kleinen spielen, Kuchen essen, Unterhalten... da hat das Sommerwetter doch seine Vorteile :)

Silvester mit der Familie (Wer findet mich? :D)
Und Silvester? Also das Beste an Silvester fehlte schon mal: Kein Feuerwerk. Oder zumindest kein eigenes, es gibt ein Feuerwerk von der Stadt aus, aber Böller sind nicht zu kaufen. Egal, braucht man nicht unbedingt denn dafür habe ich andere Bräuche kennengelernt... Wir trafen uns wieder mit der Familie, diesmal im Haus eines Verwandten und es gab wieder unglaublich viel und leckeres Essen zu dem sich die gesamte Familie um einen langen Tisch versammelte... Silvester ist hier nämlich genauso ein Familienfest wie Weihnachten und Mitternacht wird nicht unter Freunden sondern im familiären Kreise verbracht. Um 12 gab es dann die Neujahrsumarmung und Glückwünsche fürs neue Jahr und jeder bekam einen Champagner eingeschenkt- mit 12 Weintrauben darin, eine für jeden Monat, die man essen sollte und sich dabei etwas wünschen. 
Gegen halb 2 ging dann die Fiesta los, die Jugend auf die Strassen, in die Discos, bis morgens um 10. 
Und am nächsten Tag das Beste gegen den Kater: Grillen mit der Familie :D 
Mit Gastmami und Gastbruder :)

Samstag, 8. März 2014

Nachtrag!

Halli Hallo!
Mit 4 Monaten Verspätung kommt hier mal noch ein kleiner Nachtrag den ich euch dringend schulde... mein schlechtes Gewissen plagt mich dann doch, euch so lange ohne Neuigkeiten stehen zu lassen. 
Ich werde niemals alles aufschreiben können aber zumindest ein paar Fotos und die dazugehörigen Erinnerungen schicke ich dann doch in die grosse weite Welt hinaus :)




Mit der ganzen Crew bei unserer Weinprobe... mmmmh lecker!
Wir hatten nämlich im November 2013 unser erstes Treffen mit allen Freiwilligen von AFS in Cunaco in der Nähe von Santiago. Das war natürlich ein grosses Hallo die Leute wieder zu sehen, die man zu Beginn seiner Reise schweren Herzens verlassen hatte. Gemeinsam kosteten wir die folgenden Tage dann voll aus, Seminar in einer kleinen Villa mit eigenem Park, Weinprobe auf einem Weingut in der Nähe (wo alle ihre Liebe zum chilenischen Rotwein entdeckten, der dann an den folgenden Abenden sogar das heissgeliebte Bier ablöste), Museumsbesuch in einem Museum über die Geschichte Lateinamerikas und natürlich nächtelange Gespräche über das Leben in Chile. Was aus der Zeit hängen geblieben ist: Ich habe unglaubliches Glück mit meiner Gastfamilie, mit der ich wirklich überhaupt keine Probleme habe und die mir sehr grosse Freiheiten lässt. Beispielsweise was die Ausgehzeiten angeht, da müssen andere um 12 zu Hause sein und ich habe nur die Anweisung bitte wenn ich dann nach Hause komme ein Taxi zu nehmen.Und abgesehen davon verstehen wir uns eben bestens, nach wie vor, das hat sich auch in den letzten Monaten nicht geändert! 
Im Anschluss an unser Seminar gings dann mit den meisten Freiwilligen ab in die ersten Ferien- nach Valparaiso. Die Stadt hat ihren Namen absolut verdient, ein Paradies! 



Wo sich bunt bemalte Häuserwände aneinander reihen, mit kunstvollem Graffity besprühte Mauern hinter jeder Strassenbiegung auf den neugierigen Besucher warten, Gitarrenklänge und Gesang aus dem offenen Fenster dringen, ein warmer Wind die Hügelligen Strassen hinunter weht zum Meer, kleine Pubs und Läden einladen zum verweilen... wird ein jeder von dieser bunten Stadt inspiriert, die nicht mit Sauberkeit und Prunkbauten glänzt sondern einen mit ihrem künstlerischen Charme verzaubert. 
Alte Fotografien an der Wand des "Tren más lento del Mundo"
Wir enteckten in den wenigen Tagen, die wir in Valparaiso- kurz: Valpo- verbrachten so viele wunderame Dinge, beispielsweise einen Zug, der auf stillgelegten Schienen abgestellt wurde und zum "langsamsten Zug der Welt" erklärt. Dort kann man jetzt einen Kaffe trinken gehen, der wohl billigste Kaffe in Valparaiso, im Pappbecher serviert, und dabei den Klängen eines leicht verstimmten Klaviers lauschen, das in dem Zug zur Klavierstunde zur verfügung steht und auch die Besucher einlädt zum spielen. 

 

 Ein Stück weiter die Küstenstrasse entlang findet man eine Reihe von bunten Trabbis,die wie an riesigen Wäscheklammern aufgehängt vom Himmel baumeln. 
In der Innenstadt, die steilen Hügel hinauf (die man entweder mit einer unendlich langen Treppe bewältigen muss oder einen der vielen alten Aufzüge nutzen kann, die auf Schienen und von Zahnrädern getrieben die Berge hoch und runter rattern) findet man überall Graffity, bunte Kunstwerke, die dem Betrachter nie langweilig werden lassen. Wer Glück hat kann sich sogar auf einen Plausch mit einigen Strassenkünstlern einlassen und sie nach ihrem Leben ausfragen. Kein Wunder, dass der berühmte Dichter Pablo Neruda auch ein Haus in Valpo hatte, das heute als Museum zugänglich ist und die wohl schönste Aussicht über die Dächer der Paradiesstadt bietet. 
Bei so vielen Entdeckungsmöglichkeiten wurden wir nie müde, die Hügel rauf und runter zu laufen, auch Abends lohnte sich ein Ausflug durch die Strassen, die Avenida Alemana entlang, mit Blick auf die im Wasser versinkende Sonne während sich die Stadt in ein Meer aus Lichtern verwandelt. 
Am Strand von Viña del Mar
Von Lifekonzerten, Kunsthandwerkermärkten, Bootsfahrt an der Küste entlang, lecker Kochen mit gutem Rotwein und jeden Tag ein Kilo Erdbeeren auf dem Markt kaufen bis zum Ausflug nach Viña del Mar und einem gechillten Tag am Strand hatten wir wirklich alles was man sich für seine Ferien wünschen kann. Für mich ist Valpo eindeutig die schönste Stadt die ich je gesehen habe!
Der Hafen von Valpo bei Nacht
Gemeinsames Kochen beim gemütlichen Abend unter Freiwilligen
Hier noch ein aus dem Internet geklautes Bild- aber es sieht wirklich so aus! :)
Tja und weil das Leben ja viel zu schön wäre ohne gelegentliche Tragödien muss ich noch hinzufügen dass mir auf der Rückreise von Valpo nach Puerto Montt bei meinem 8 Stündigen Aufenthalt in Santiago mein Laptop geklaut wurde :( Deshalb auch der Mangel an Bildern, die hatte ich nämlich vorher noch alle schön auf meinen Computer gezogen um sie auf der Kamera löschen zu können. Mitten auf der Plaza de Armas wurde ich dann um meinen Mac und meinen Reisepass ärmer... da hatte ich dann 3 Stunden zeit um heulend zur Polizei zu rennen, mich von einem Büro ins andere schicken zu lassen, mir eine Bestätigung zu holen dass mir mein Pass geklaut wurde (ich musste ja irgendwie meinen Flug antreten können) und dann gerade rechtzeitig es noch zum Flughafen zu schaffen. Glücklicherweise mit einer Kopie meines Passes im Geldbeutel, sonst hätte ich wohl in Santiago festgesessen. 
Das war definitiv der schlimmste Tag meines Lebens, alles weg, sämtliche Fotos meines Lebens, Dokumente der Schule etc etc... und das nur weil man eine Tasche 2 Minuten aus den Augen lässt. Lebenslektion gelernt. Das passiert mir nicht noch einmal.