Mein neues Leben hat begonnen! In einem hübschen kleinen rosa Haus im Zentrum von Puerto Montt, keine 15 Minuten zu Fuß von meiner Arbeitsstelle bei Techo entfernt. Mein neues zu Hause: ein kleines Zimmer neben der Küche, Bett, Schrank, eigenes Bad, ein süßer kleiner Hund vor der Zimmertüre, der auf den Namen Sussi hört (oder auch nicht hört :D) - sehr einfach aber sehr authentisch, da fühlt man sich definitiv wohl!
Vor allem da meine Familie sehr nett ist, meine Mamachilena redet ununterbrochen mit mir, alles ist "chiquetiiiiiiitoooo" und sie liebt ihren "perriiiiiiitoooooo" über alles, wie sie ihre Sussi nennt. Also es ist wirklich alles niedlich und süß, zumindest für die Chilenen! :D
Außer meinen "viejos", meinen Alten, wie sich meine Gasteltern selbst liebevoll nennen, habe ich noch einen Bruder und eine Schwester und die sind alle unglaublich nett, gastfreundlich und nehmen einen so auf wie man ist und freuen sich über jede neue Bekanntschaft. Mit meinem Gastvater habe ich seine Firma besichtigt und mit meinem neuen Bruder (Sehr cool, ich wollte schon immer einen chilenischen Bruder haben :P) war ich vorgestern Abend in einer Bar um das Fußballspiel Chile vs. Venezuela anzuschauen, die Chilenen sind nämlich genauso Fußballbegeistert wie die Deutschen! Bei einem 3:0 darf man das aber auch sein und ausgelassen mitschreien "chi chi chi, le le le, viva Chile!"
Genauso sympathisch wie meine Familie sind auch die Leute von TECHO, meiner neuen Arbeitsstelle. Dort sitzen ein Haufen junger Menschen zusammen, die alle gerne feiern und einen sofort voll integrieren- am Freitag wurde so auch die Nacht zum Tag gemacht und chilenisch "carrete" gefeiert, mit leckerem Pisco Sour und viel Musik. Ein Vorurteil dass wir deutschen so den Lateinamerikanern gegenüber hegen wurde jedenfalls vollends erfüllt: Die können tanzen! Und wie, reggaeton und auch zu deutscher Musik, no importa, Hauptsache man tanzt!
Und auch die Chefs von TECHO habe ich sofort ins Herz geschlossen, wir sind hier wie eine große Familie. Statt wie befürchtet die ersten Wochen erst einmal nur rum zu sitzen und zu warten bis man die Sprache besser kann und sich eingelebt hat sind wir gleich am ersten Tag schon in einem Campamento gewesen, einem der vielen Armenviertel, die sich rund um die Städte in Chile ansammeln. Das ist ein heftiges Bild was sich einem da bietet, teilweise leben die Menschen zusammen mit unzähligen Hunden auf Müllkippen, teilweise in kleinen Hütten die das nötigste enthalten und Schutz vor dem dauernden Regen bieten- mehr aber auch nicht. Eine krasse Realität, die ich noch nicht so ganz begreifen konnte.
Aber meine Aufgabe wird ja sein, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten um gemeinsam Lösungen für eine bessere soziale Struktur zu schaffen. So sind die Freiwilligen von TECHO in den Familien der Campamentos auch voll akzeptiert, die meisten verbringen ihre gesamte freie Zeit, die sie neben der Uni noch haben, bei TECHO. Hier ist also immer volles Programm, es gibt viel zu lernen (z.B. den traditionellen Tanz "cueca" der hier an Festen getanzt wird und der den Kindern aus den Campamentos beigebracht wurde).
Es gibt unglaublich viele Seiten von Chile zu entdecken, die Armut der Campamentos, die Offenheit der Leute, die lateinamerikanischen Straßen (und natürlich das totale Verkehrschaos :D), die rhythmische Musik (tausend mal besser als das stereotype Popgedudel aus den deutschen Radios!), das leckere Essen (ich werde mit Sicherheit dick werden, es schmeckt hier alles soo gut! Und man stelle sich vor, ich habe sogar Fisch und Muscheln gegessen :O war gar nicht so schlimm), tausende von riesigen Malls und Supermärkten, mit denen hier die Straßen zugepflastert sind, und natürlich das Meer und die Landschaft. Man kann schon erahnen wie schön es im Frühling wird, wenn mehr Sonne scheint und die Blumen zu blühen beginnen.
Momentan ertrinkt man eher im Regen und es ist recht kühl, es regnet hier wirklich täglich. Aber man gewöhnt sich dran, das sieht man zum Beispiel auch daran dass hier keiner mit Regenschirmen aus dem Haus geht, eine Mütze reicht den meisten völlig aus als Regenschutz.
| Typisch für den Süden Chiles- ein Spielplatz unter Wasser. |
Aber abgesehen von dem nasskalten Wetter bin ich wohl im besten Monat nach Chile geflogen, der ganze September ist nämlich eine einzige Fiesta! Chile feiert am 18. seinen Nationalfeiertag, die Fiestas de Patria, und überall wird Flagge bekannt, viel gegessen und getrunken, gefeiert und 5 freie Tage genossen, an denen ich wohl mit meiner Familie einen Kurzurlaub machen werde.
Hoffentlich bessert sich dann auch mein Spanisch weiter auf, ich verstehe zwar so gut wie alles, aber beim Sprechen hakt es einfach noch. Zumal die Leute hier eigentlich kein Spanisch sprechen, sondern Chilenisch, es gibt wahnsinnig viele Chilenismen, die man natürlich alle drauf haben muss :D ...die besten Beispiele sind "Cachái?", was so viel heißt wie "verstanden?" und "Weón", das wird eigentlich nach jedem zweiten Wort genutzt und heißt so viel wie "Alter" :D und natürlich das "Si po" oder "No po" oder "No sé po", da hängt man einfach immer ein "po" dran. Gefällt mir persönlich sehr gut, auch die Sprachmelodie ist ganz anders als im Spanischen, viel melodischer.
Was natürlich auch sehr nett ist sind die chilenischen Zungenbrecher, von denen es einige gibt. "Tres tristes tigres tregaron trigos en un tregal" ist beispielsweise perfekt um das rollende rrrrr zu lernen.
So weit so gut erst mal, morgen geht meine nächste Arbeitswoche los, da bin ich von morgens um 8 bis abends um halb 10 voll beschäftigt und muss also früh ins Bett. Es gibt noch so viel zu erzählen aber so weit mal ein erster Einblick!
Chiao, chiao!


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